Traugespräch im Krankenhaus

Donnerstag, 11. Januar:

Zum heutigen Abendtermin kann ich zu Fuß gehen. Ich laufe am Grünen Markt vorbei, überquere auf der Flutbrücke den Wiesengrund, gehe steile Treppen hoch und sehe schon den Eingang des Fürther Klinikums. Dort winken die beiden mir zu. Sie steht, er sitzt in einem Rollstuhl.

Es ist das ungewöhnlichste Traugespräch, das ich je hatte. Knapp zwei Wochen vor der Trauung ist dem Bräutigam ein Gabelstapler auf den Fuß gefahren. Glück im Unglück: Es war „nur“ ein doppelter Schienbeinbruch. Die Notoperation verlief hervorragend. Die beiden jungen Leute beschlossen: Wir heiraten trotzdem.

Gemeinsam fahren wir mit dem Aufzug in den zweiten Stock. Der Aufenthaltsraum ist frei, und wir setzen uns an einen Tisch. Die Braut erzählt von den Hochzeitsvorbereitungen. Gerade kommt sie von der Floristin. Der Bräutigam berichtet von seinem Unfall. Er ist ihm noch lebhaft im Gedächtnis, ebenso wie die Operation, die er bewusst miterlebt hat, weil er nur eine Teilnarkose hatte. Danach hat er sofort Ausgang für die beiden Tage der standesamtlichen und der kirchlichen Hochzeit beantragt.

Wir sprechen über die Trauung. Vor einiger Zeit hatten die beiden eine katholische Trauung erlebt. Sie empfanden sie als sehr lang und traditionell und möchten ihre eigene kirchliche Hochzeit lockerer haben. Das ist kein Problem. Eine Trauung hängt nach evangelischem Verständnis – zumindest nach meinem – nicht an liturgischen Formen, sondern am Segen Gottes. Die beiden erzählen von ihrem bisherigen gemeinsamen Weg. Ich mache mir Notizen. Es gibt einiges zu lachen. Zwischendurch muss der Bräutigam seinen Fuß hochlegen, weil er wieder angeschwollen ist. Zuletzt füllen wir das Formular aus, das wir für die Eintragung ins Kirchenbuch brauchen.

Die beiden begleiten mich zum Ausgang. Wieder fahren wir mit dem Aufzug. Ich verabschiede mich und winke noch einmal zurück. Tapfere junge Leute sind das, denke ich mir. So wie sie diese Situation bewältigen, habe ich keine Zweifel an ihrer Zukunft.

 

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