Heiligabend

Sonntag, 24. Dezember:

Ich schlafe aus. Schlafen macht gesund, heißt es. Und das kann ich brauchen, denn just ein paar Tage vor Weihnachten hat mich eine Erkältung erwischt. Als ich aufwache, ist zumindest mein Kopf halbwegs klar und die Nase läuft nur noch sporadisch. Dafür habe ich Husten. Ich denke an die Gottesdienste am Abend und hoffe, dass meine Stimme durchhält. Gestern hat die Lektorin für Kriegenbrunn abgesagt. Ebenfalls krank. Also lese ich dort auch noch die Bibeltexte. Erst aber wird gefrühstückt.
Danach setze ich mich an meinen Computer, bringe die Lesungen in Form und drucke sie aus. Ich gehe die Christvesper noch einmal durch, kürze die Predigt etwas. Das kann so bleiben, beschließe ich. Die Predigt für die Christmette ist noch eine Baustelle. Ich stelle die Abschnitte um. Besser, aber noch nicht ganz gut. Mein Mann hat mittlerweile Weihnachtsmusik aufgelegt, die man in der ganzen Wohnung hört. Er will zumindest ein bisschen Weihnachtsstimmung haben, sagt er. Die Leiden eines Pfarrmanns, denke ich. Und setze mich nochmal an die Predigt für die Mette. Nach zwei Stunden beschließe ich, dass sie so bleiben kann. Ich drucke beide Gottesdienste aus, hefte sie in mein Ringbuch, dusche, packe den Talar ein, gehe die Christvesper erneut durch. Dann ist es schon Zeit loszugehen. Mein Mann ist heute Mesner, er muss frühzeitig da sein.

Vor der Frauenauracher Kirche erwartet uns eine Kinderwagenparade. Der Familiengottesdienst läuft noch. Eine Frau spaziert mit ihrem Kleinkind auf dem Arm vor der Tür herum und geht wieder in die Kirche. Wir warten. Dann öffnen sich die Türen und wir schauen in glückliche Gesichter. Ein Mann fotografiert zwei Mädchen mit Engelsflügeln. Jugendliche rollen Kabel zusammen. In der Sakristei herrscht fröhliches Gedränge. Menschen strömen hinaus und hinein. Alte Liedblätter werden eingesammelt, neue verteilt, die Bläser vom Posaunenchor hieven ihre Instrumente auf die Empore. Ich plausche mit meiner Kollegin. Die Kirche wird voll und voller. Der Lektor für Frauenaurach kommt gut gelaunt eine Viertelstunde vor Beginn, setzt sich mit seiner Familie in die erste Reihe und lotst Gottesdienstbesucher auf die letzten freien Plätze. Ich sichere mir einen Stuhl, verkrümele mich in die Sakristei und bete. Ich werde ruhig. Die Glocken läuten, der Posaunenchor spielt, und wir feiern Gottesdienst in der voll besetzten Kirche. Die Atmosphäre ist unglaublich, wenn Hunderte singen und das Vaterunser beten. Glücklich spreche ich den Segen und beeile mich, nach Kriegenbrunn zu kommen. Mein Mann fährt mich hin und dann wieder nach Frauenaurach zurück, um die Kirche aufzuräumen.

In Kriegenbrunn komme ich fast nicht in die Kirche hinein. Die Leute stehen im Mittelgang, sitzen im Chorgestühl, einer sogar hinter dem Christbaum. Frau Wittmann zählt. Es sind 127 da. Nach dem Gottesdienst stehen wir mit vielen anderen auf der Straße herum, hören den Männergesangverein und Kindergedichte und die fleißigen Posaunenbläser, die mittlerweile aus Frauenaurach eingetroffen sind.

Mein Mann und ich fahren nach Hause. Ich bin hungrig. Gott sei Dank hat er ans Essen gedacht. Wir schieben Pommes frites in den Ofen und legen zwei vorbereitete Cordon bleu in die Pfanne. Es schmeckt ausgezeichnet. Danach sind wir pappsatt. Mein Mann hält ein Nickerchen und ich gehe noch einmal die Christmette durch. Ich merke, dass das Anfangsgebet sehr ähnlich zu dem in der Christvesper ist, und tausche es aus.
Und schon müssen wir wieder los.

Die Christmette ist wie Entspannung am Abend. Es ist gut gefüllt, aber nicht übervoll. Viele vertraute Gesichter. Der Chor singt sehr schön. Die Gemeinde auch. Danach stoßen wir im Mesnerhaus mit einem Glas Sekt auf ein Chormitglied an, das am 25. Dezember Geburtstag hat.

Um 0.45 Uhr sind wir zuhause. Die Erkältung hatte ich zwischendurch vergessen, nun meldet sie sich wieder mit Hustenattacken. Aber ich bin glücklich.

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