Zusatzandacht


Sonntag, 10. Dezember:

Eigentlich wollte ich sie nicht. Wir haben Adventsgottesdienste, klassisch und für Familien, außerdem die Ruhepunkte in Kriegenbrunn und ein Konzert bei Kerzenschein. Wer braucht da noch eine Gospel-Andacht im Advent?

Aber der Chorleiter der Gospel Hearts unserer Nachbargemeinde in Herzogenaurach hatte so nett gefragt. Er hatte mir im Sommer aus der Patsche geholfen. Als sich partout kein Organist finden wollte, war er eingesprungen. Also wollte ich keine Spielverderberin sein. „Ich weiß nicht, wieviele kommen werden“, hatte ich ihm schwach entgegengehalten. „Ein paar auf jeden Fall aus Herzogenaurach“, hatte er optimistisch entgegnet.

Dann kam der Schnee am Sonntagnachmittag. Die Straßen waren glitschig. Noch ein paar Besucherinnen weniger, dachte ich mir, als ich mein Auto parkte. Der Chor probte in der Kirche. Ich plauderte mit dem Mesner und mit anderen, stand unschlüssig in der Sakristei herum, sprach mit dem Chorleiter den Ablauf durch, zog meinen Talar an, suchte einen Sitzplatz. Manche Besucher hatten sich in die vorderen Reihen gesetzt. Das wünscht man sich manchmal bei Gottesdiensten, aber jetzt war es ungünstig, denn dort sollte eigentlich der Chor sitzen. Während ich noch über eine Lösung des Problems nachdachte, lotste der Chorleiter die Sängerinnen und Sänger einfach in die hinteren Reihen.

Die Glocken läuteten, der Chor kam nach vorn und sang das erste Lied. Es war heiter und gefühlvoll. Als ich die Begrüßung sprach, merkte ich mit Erstaunen, dass das Kirchenschiff sehr gut gefüllt war.
Chorlied, Gebet, Chorlied, Ansprache. Beim Gemeindelied ging der Chorleiter auf die Empore und spielte Orgel. Chormitglieder sprachen ein Fürbittengebet und alle stimmten ein ins Vaterunser. Segen, Schlusslied. Und langanhaltender Applaus. Als ich durch den Mittelgang nach draußen ging, hatte ich das Gefühl, die Leute würden am liebsten sitzen bleiben. Dann folgten sie mir doch, viele bekannte Gesichter aus meiner Gemeinde, alle gut gelaunt. Sie lobten Musik und Ansprache, und die Sängerinnen und Sänger aus der Nachbargemeinde bewunderten die gute Akustik in unserer Kirche.
Gut, dass ich mich darauf eingelassen hatte.

 

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