Gemeindenetz

Dienstag, 19. Dezember:
Alle, die sich in der Gemeinde ehrenamtlich engagieren, bekommen eine Weihnachtskarte. Zumindest einen kleinen Dank für die viele Arbeit, ohne die es nicht gehen würde. Es sind an die 150: Konfiteamer und Gemeindebriefausträgerinnen, Posaunenchorbläser und viele viele mehr.

Die Karten sind gedruckt, unterschrieben und eingetütet. Jetzt trage ich sie aus. Zum einen will ich Porto sparen. Zum anderen liegt meine beste Freundin mit Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus und hat zu mir gesagt: Geh für mich spazieren. Das tue ich jetzt.

Zuerst kommt das Gebiet am Wagnersberg in Frauenaurach dran. Danach fahre ich nach Kriegenbrunn. Ich parke mein Auto am Friedhof, bin schon auf dem Weg zum Eginoplatz, da fällt mir auf, dass die Weihergärten dort weggehen. Da wohnt doch auch jemand. Spontan biege ich ab, gelange ins Neubaugebiet, das ich noch nie so richtig durchschaut habe. Immer wieder ist der Huthausplatz ausgeschildert, aber wo sind die 20er Nummer der Straße Sägersäcker? Und was heißt eigentlich Sägersäcker? Ich schlage mich durch, laufe den Huthausweg weiter. Nicht dass ich dort noch eine Karte einzwerfen hätte, aber es interessiert mich, wo er hinführt. Die Gasse wird schmal und schmaler, die Häuser immer älter, und plötzlich stehe ich in der Wallensteinstraße. Die kenne ich, aber wie komme ich weiter in die Kriegenbrunner Straße? Ich konsultiere zum ersten Mal mein Handy. Da läuft eine Frau aus dem Kirchenvorstand über die Straße. Sie kommt vom Friedhof, sagt sie. Mir ist schleierhaft, wie die kürzeste Verbindung zwischen Friedhof und Wallensteinstraße ist, aber sie kennt den kürzesten Weg zur Kriegenbrunner Straße, genau zu der Hausnummer, die ich suche. An Feldern entlang laufe ich weiter zur Römerreuthstraße. Als ich zum Eginoplatz gelange, ist es schon fast dunkel, aber ich habe auch nur noch vier Karten in der Hand. Ich finde das Haus eines Bläsers nicht. Er bekommt seinen Weihnachtsgruß per Post

Donnerstag, 21. Dezember:
Ich nutze die Mittagspause, um Frauenaurach besser kennenzulernen. Los geht es am Heerflecken, und das ist einfach, da stehen die Häuser nah beieinander, schön sortiert nach Hausnummern und die Straßen finden immer wieder zueinander. Anders ist es am Gaisbühl. An einem Weg sind rechts Häuser der Gaisbühlstraße, links Häuser der Lessingstraße, und überhaupt ist mir die Lessingstraßennummerierung schleierhaft, und gerade da habe ich vier Karten. Ich spaziere hin und her, bestaune die Neubauvillen, winke einer Mitarbeiterin des Familienfreizeitteams durchs Fenster zu. Nach einem Abstecher in die Karl-May-Straße und Umgebung habe ich nur noch vier Karten für das Gebiet rund ums Pfarrhaus. Die sind schnell verteilt. Am Ende des Aurachwegs rauche ich eine Zigarette mit Blick auf den Wiesengrund. Ich bin zufrieden. Sehr.

Hätten die Häuser unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Leuchtpunkte, es würde von oben ein wunderbares Bild geben, sinniere ich. Ein unregelmäßiges Netz, das das ganze Gemeindegebiet durchzieht.

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