Schlüsselabgabe

Dienstag, 19. September:
Nach einer Besprechung im Pfarramt fahre ich los, um meine Schulschlüssel abzugeben. Im letzten Schuljahr hatte ich die erste Klasse in Großenseebach in Religion unterrichtet. Für dieses Schuljahr habe ich mich vom Schulunterricht befreien lassen. Dafür muss ich auf einen Teil meines Gehalts verzichten.  Aber das ist es mir wert. Kein ultra-frühes Aufstehen mehr, keine blockierten Vormittage, keine langwierigen Unterrichtsvorbereitungen. Ich habe Zeit für die Gemeinde, Zeit auch, mir selbst einmal etwas Gutes zu tun.

Zum letzten Mal für lange Zeit nehme ich auf der A3 die Ausfahrt Erlangen-West. Die Schlüssel muss ich in Hannberg abgeben, denn dort sitzt die Verwaltung für die Grundschule Großenseebach. Den Ort hatte ich bisher immer nur von weitem gesehen. Kaum habe ich das Ortsschild passiert, ist er auch schon wieder zu Ende. Ich setze den Blinker und biege in die letzte Straße vor dem Ortsausgang ein. Auf der linken Seite sind Felder, auf der rechten Neubauten. Am Straßenende steuere  ich auf ein Paar zu, das mit einem Hund spazieren geht, und frage sie nach dem Weg zur Schule. Den Berg hinauf, sagt die Frau. Dann ist rechts der Friedhof und gegenüber die Schule. Rechts Friedhof, links Schule, wiederholt der Mann. Und ich staune, wie eng Tod und junges Leben in einem kleinen Dorf zusammenliegen.

Ich stelle mein Auto auf dem Parkplatz vor der Schule ab. An der Eingangstür hängt ein Zettel, dass sich das Sekretariat den Gang entlang ganz hinten im Untergeschoss befindet. Ich drücke gegen die Tür, die jedoch verschlossen ist. Das sei aus Sicherheitsgründen so, entnehme ich einem anderen Zettel, den ich übersehen hatte. Besucher sollen klingeln. Ich finde keine Klingel, hole mein Handy aus dem Auto und rufe im Schulsekretariat an. Die Sekretärin fragt mich, an welchem Eingang ich stehe, und ich mühe mich ab, die Umgebung zu erklären. Inzwischen ist eine junge Frau gekommen, die mit mir wartet. Sie gehört zur Mittagsbetreuung, hat aber keinen Schulschlüssel. Zu unserem Erstaunen öffnet uns kurze Zeit später ein Polizist die Tür. Frau Eberhardt solle er abholen, sagt er. Nach einem kurzen Wortwechsel lässt er gnädigerweise auch die Frau von der Mittagsbetreuung herein. Später erfahre ich, dass der Polizist nur deswegen da war, weil er mit den Erstklässlern eine Schulwegbegehung gemacht hat.

Und dann geht alles ganz schnell. Den Gang entlang und ins Untergeschoss, Schlüssel abgeben und zwei Bücher, die der Schule gehören, ein kurzer Plausch mit der Sekretärin, zurück ins Erdgeschoss, den Gang entlang und zur Tür hinaus. Dort bleibe ich kurz stehen. Hinter mir die Schule, vor mir der Friedhof. Dazwischen steht mein Auto, das fährt mich jetzt hinein ins Leben. Mit einem Umweg ins Kirchengemeindeamt, wo ich Rechnungen abgeben und Geld holen muss. Und dann weiter zu alten und neuen Aufgaben.

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