Das Organistenspiel

Montag, 21. August, bis Mittwoch, 23. August:

Das Spiel heißt Organistensuche. Unsere Pfarramtssekretärein hat es schon vor vielen Wochen begonnen. Es geht so: Man ruft einen Organisten oder eine Organistin an. Oder schreibt eine mail. Dann wartet man auf Rückruf bzw. Antwortmail. Das kann dauern. Im Normalfall bekommt man nach einigen Tagen eine Absage. Zumindest wenn es um den 3. September geht, wo so ziemlich alle im Urlaub sind, und die wenigen, die da sind, vermutlich schon im Sommer 2016 von anderen Gemeinden engagiert wurden. Hat man eine Absage bekommen, darf man von Neuem beginnen. Anruf oder mail – Warten – Absage.

Die Pfarramtssekretärin hat das Spiel schon viele Runden gespielt. Dann musste sie pausieren, denn am 14. August ist sie für zwei Wochen in den wohlverdienten Urlaub gegangen. Ich übernahm. Zwei Anfragen liefen gerade parallel – auch das geht. Ich wartete auf Antwort. Zuerst zerschlug sich die eine Option. Der andere reagierte nicht auf die mail der Pfarramtssekretärin. Es handelte sich um einen emeritierten Theologieprofessor. Ich hatte bei ihm studiert und ihn sehr gemocht. Über Umwege fand ich eine Telefonnummer heraus, rief an, erwischte seine Frau, die mir fröhlich die Nummer gab, unter der er tatsächlich zu erreichen war. Ich hatte ihn auf Anhieb in der Leitung. Er konnte sich zu meinem Erstaunen sehr gut an mich erinnern, aber keineswegs an die mail aus dem Pfarramt. Er komme auch gern einmal nach Frauenaurach, nur nicht am 3. September, denn am 2. September sei die Trauung seines jüngsten Sohnes im Taunus. Wir plauderten noch etwas, und ich erfuhr, dass wir in Frauenaurach eine Walcker-Orgel haben und dass der Professor dieses Fabrikat ganz und gar nicht schätzte. Das sei noch ein Grund, nach Frauenaurach zu kommen, sagte er. Dann könne er sich ein besseres Bild von der Orgel machen. Gut gelaunt legte er auf und ließ mich ratlos zurück.

Am Dienstag machte ich drei weitere Runden Organistenspiel, nur per Telefon, da der 3. September schon bedrohlich nahekam. Einer erklärte mir sehr freundlich, aber bestimmt, er spiele nur Klavier und am liebsten Jazz. Zwei potentielle Kandidaten erreichte ich gar nicht. Klar, es ist Urlaubszeit. Ich rief beim Dekanatskantor an. Der sitzt in Eckental, auf der anderen Seite des Dekanatsbezirks, und ich sprach auf seinen Anrufbeantworter. Vielleicht war er auch im Urlaub? Ich versuchte es im Dekanatsbüro, aber dort kennt man nur die Urlaubszeiten der Pfarrer*innen, nicht aber die des Dekanatskantors. Die Dekanatssekretärin verwies mich an das Pfarramt in Eckental. Der dortige Anrufbeantworter verkündete, dass das Pfarramt zurzeit nicht besetzt sei, die Vertretung habe der Pfarrer in Kalchreuth. Den Kollegen hatte ich auf Anhieb am Telefon. Er wusste zwar nicht, ob und wann der Dekanatskantor im Urlaub ist, aber er gab mir die Nummern zweier Kantoren, die er selbst manchmal engagiert. Da der eine am jenseitigen Ende von Nürnberg wohnt und der andere in Lauf, verfolgte ich diese Spur nicht weiter. Die Chancen, dass einer von beiden Sonntagfrüh um 8.30 Uhr in Kriegenbrunn orgelt wären niedrig und die Fahrtkosten für unsere Gemeinden immens.

Derweilen hatte der Dekanatskantor auf meinen Anrufbeantworter gesprochen, weil ich vor lauter Telefonieren nicht erreichbar war. Ich rief ihn zurück und auch er suchte mir einige Nummern von Kantoren heraus, ohne zu wissen, ob sie da sind und Zeit hätten. Ich vertagte die Angelegenheit, denn zu viel Organistenspiel macht müde.

Am Mittwoch rief mich der Dekanatskantor erneut an. Offensichtlich hatte er seinerseits Gefallen am Organistenspiel gefunden. Er habe einen Schüler, der in unserer Gegend wohne, sagte er, möglicherweise könne der in Kriegenbrunn und Frauenaurach spielen. Ob mir das recht wäre. Trotz des drohenden „Game over“ antwortete ich, das wäre mir in der Tat sehr recht. Eine Stunde später hatte ich eine mail des Dekanatskantors im Postfach. Er hatte seinem Schüler eine mail geschickt, da er keine Telefonnummer von ihm hatte, und mich ins CC gesetzt. Ich setzte gleich hinterher und schrieb dem Orgelschüler meinerseits einige werbende Worte.

Aktuell warte ich auf Antwort. Vielleicht ist der Orgelschüler im Urlaub. Wer weiß. Nächste Woche ist jedenfalls der Dekanatskantor im Urlaub. Und ich auch. Das Organistenspiel geht auf jeden Fall weiter. Ausgang ungewiss.

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