Teamarbeit

Sonntag, 21. Mai:
Es ist Jubelkonfirmation. Über 60 Jubilare haben sich angemeldet. Um 8.45 Uhr bin ich an der Kirche, spreche kurz mit Mesner und Chorleiter. Dann werden im Mesnerhaus die Sträußchen angesteckt. Das habe ich noch nie gemacht. Meine Hände zittern. Die Nacht war wieder einmal etwas kurz, denn ich habe dieses Wochenende auch zwei Taufen und in die Vorbereitungen sind mir zwei Sterbefälle gekommen. Also hat sich alles etwas nach hinten verschoben.
Etwa 20 Jubilare stehen schon vor der Tür, weitere stoßen dazu. Wiedersehensfreude und Diskussionen darüber, wie welches Konfirmationsjubiläum heißt. Gott sei Dank kommt der Posaunenchorleiter und hilft mir mit den Sträußchen. Und bald stoßen weitere Kirchenvorstände dazu. Mit vereinten Kräften schaffen wir es, und es macht sogar Spaß. Während die letzten noch ihr Sträußchen bekommen, formiert sich schon der Zug. Die Ehrenamtlichen und ich besprechen kurz die Austeilung des Abendmahls. Ich laufe in die Sakristei, ziehe den Talar an. Kaum bin ich wieder außen, geht es auch schon los. Ich darf mit der Kronjuwelenkonfirmandin vorweg laufen. Wunderbares Orgelspiel und eine volle Kirche empfangen uns. Es dauert etwas, bis alle ihre Plätze finden. Gut gelaunt bete und predige ich. Dann kommt die Ehrung der Jubilare. Alle Urkunden sind in Klarsichtfolien, die ich vorgestern im Drogeriemarkt gekauft habe. Sie sind etwas glatt, und als ich den Stapel Urkunden in die Hand nehme, rutschen sie mir aus der Hand. Verzweiflung steigt in mir auf und ein Raunen geht durch die Gemeinde. Gott sei Dank konnte ich die ersten zehn Urkunden festhalten. Sie sind für die Silbernen Konfirmandinnen und Konfirmanden. Ich ehre sie schon mal. Derweil kommen die Kirchenvorstände und sortieren die anderen Urkunden. Alles geht gut weiter. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Nach dem Gottesdienst werden Fotos gemacht. Ein ums andere Mal höre ich, wie schön der Gottesdienst war. Die Jubelkonfirmandinnen und –konfirmanden gehen in Grüppchen zum Mittagessen. Während ich noch mit den letzten vor der Kirche rede, hat die Taufgesellschaft schon ihre Plätze in der Kirche eingenommen. Wir haben eine lebhafte Tauffeier mit vielen Kindern. Danach bin ich erst mal platt und setze mich vor das Pfarrhaus in die Sonne.

Nach zwanzig Minuten mache ich mich auf ins Jugendheim. Dort findet das Kaffeetrinken statt. Mit über 70 Leuten. Die Stühle und Tische sind gestellt und es ist liebevoll aufgedeckt. Ein Grüppchen Kirchenvorstände ist mit Kaffeekochen und Kuchenschneiden beschäftigt. Alles läuft, sagen sie mir. Elf wunderbare selbstgebackene Kuchen wurden beigesteuert. Ein Schild wäre nicht schlecht. Denn die Goldenen Konfirmandinnen und Konfirmanden sollen ins Sitzungszimmer. Im Saal ist nicht für alle Platz. Ich fahre wieder zum Pfarramt und drucke Zettel aus, die wir als Beschilderung verwenden können. Als ich zurückkomme, sind schon die ersten Jubilare da. Weitere Kirchenvorstände treffen ein, um mit anzupacken. Ich bringe die Beschilderung an und halte hie und da ein Pläuschchen. Plötzlich Unruhe in der Küche. Der Kaffee aus der großen Kaffeemaschine ist ungenießbar. Ich bin ratlos und will helfen. Zwei Männer aus dem Kirchenvorstand sagen, ich soll lieber nicht in die Küche, weil dort schon genug Frauen diskutieren.
Eine tatkräftige Helferin läuft zu ihrem Auto, um ihre eigene Kaffeemaschine zu holen. Die Goldenen Konfirmandinnen und Konfirmanden bekommen den Kaffee, der schon fertig ist. Die anderen müssen noch warten. Plötzlich steht eine Jubilarin in der Küche. Sie ist im Seniorenkreisteam und weiß, dass die große Kaffeemaschine schon seit längerem eine Macke hat. Wenn der Kaffee zu einem Viertel durchgelaufen ist, muss man ihn nochmal oben rein kippen. Dann geht es. Mit einer halben Stunde Verspätung sind alle versorgt. Ich setze mich an einen der wenigen freien Plätze und trinke eine Tasse Kaffee, rede hier und dort, fahre zwischendrin kurz zu einem Geburtstagsbesuch, treffe eine ehemalige Tauffamilie auf der Straße und unterhalte mich mit ihr. Die Stimmung im Jugendheim ist bombastisch. Die Ehrenamtlichen haben alles im Griff. Die Jubilare tauschen Jugenderinnerungen aus. Ich will beim Abspülen helfen, aber man braucht mich nicht. Mittlerweile ist es halb fünf. Ich merke, wie die Müdigkeit in mir hochsteigt, und verabschiede mich.

Dankbar fahre ich heim. So viele, die helfen. Und gute Stimmung machen. Ich bin in einer wunderbaren Gemeinde gelandet.

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