Schule

Montag, 27. März:
Montagnachmittag heißt Unterricht vorbereiten. Nach einigen Jesusgeschichten ist jetzt laut Lehrplan für die 1. Klasse die Passionserzählung dran. Zumindest ist schönes Wetter. Ich baue mir meinen Arbeitsplatz auf der Dachterrasse auf. Wälze Unterrichtsvorbereitungsbücher. Eines schlägt vor, die Kinder zu zweit meditativ spazierengehen zu lassen. Da weiß ich schon, was passiert. Spazierengehen ist nicht so das Ding meiner Schülerinnen und Schüler. Die rennen lieber. Und raufen. Ich lege das Buch weg. Vielleicht geht es einfacher. Erzählen und malen. Ich finde ein Ausmalbild von Jesus auf einem Esel. Jesus zieht in Jerusalem ein. Das geht. Aber keiner der fünf Erzählvorschläge gefällt mir. Zu kurz, zu suggestiv, zu verschwurbelt. Also schreibe ich meine eigene Nacherzählung. Das macht wider Erwarten Spaß: Die achtjährige Mirjam erlebt, wie Jesus in Jerusalem einzieht, dann feiert Jesus mit seinen Jüngern das Abendmahl, geht in den Garten Gethsemane, wird verhaftet … Und flugs sind zwei, drei Stunden vorbei. Ich muss abbrechen, denn die Jahreshauptversammlung des Fördervereins unserer Kirche steht bevor.

Nach der Sitzung schreibe ich im Pfarramt die Geschichte fertig. Sie ist schon ziemlich lang, eigentlich viel zu lang, aber die Verleugnung des Petrus ist mir im Kopf. Die muss noch dazu. Notfalls kann ich ja den letzten Teil weglassen, wenn die Kinder zu unruhig werden. Schnell die Ausmalbilder und ein Rätsel mit einem Hahn kopiert, dann geht es nach Hause. Um 23.15 Uhr bin ich daheim, gegen 0.45 Uhr schlafe ich ein.

Dienstag, 28. März: Um 5.50 Uhr klingelt der Wecker. Ich fühle mich gerädert, wie immer Dienstagfrüh. Hilft nichts. Um 7.40 Uhr bin ich in der Schule, fünf Minuten später setze ich mich ins Klassenzimmer. Nach und nach kommen die Kinder. Theresa muss mir unbedingt ihre Brotdose zeigen, weil sie heute was ganz Besonderes zum Essen dabei hat: Weintrauben und Schafskäsefladen. Jonas fragt wie immer, ob er heute der Lehrer sein darf, und ich sage wie immer nein. Leonie und Magdalena packen ihre Hefte aus und malen Bilder weiter. Max kommt herein und erzählt mir, die Büchertasche noch auf dem Rücken, von Vulkanen und wie die Magma zur Lava wird. Mit dem Gong um 8.00 Uhr beginnt der Unterricht. Die Kinder sehen das nicht so. Nach fünf Minuten haben wir uns geeinigt, dass es jetzt losgehen kann. Ich erzähle von Jesus, wie er nach Jerusalem einzieht und wie die Menschen einen Teppich machen aus Jacken und Tüchern und Palmzweigen. Die Kinder hören aufmerksam zu, malen Jesus aus und dann den Weg, den Teppich, das Stadttor von Jerusalem und Palmen dazu. Nur Menschen wollen sie nicht malen. Zu kompliziert. Wie malt man auch eine Menschenmenge? Jonathan malt einen Turm, da ist eine Hexe drin. Naja. Die Kinder werden unruhig, manche sind schon fertig mit Malen. Ich packe meine Gitarre aus und versuche, mit ihnen das Lied „Jesus zieht in Jerusalem ein“ zu singen. Einer singt gut mit, ein paar weniger gut, aber mit gutem Willen. Die anderen wollen tanzen. Also singe vor allem ich und die Kinder tanzen zu „Hosianna in der Höh“. Und bei Hosianna singen sie alle. Das macht sogar mir Spaß. Die Fröhlichkeit des Einzugs in Jerusalem ist jedenfalls ins Klassenzimmer übergeschwappt.

Dann sind alle etwas ruhiger und ich erzähle weiter. Das letzte Abendmahl. Gethsemane. Die Verhaftung Jesu. Plötzlich ist absolute Stille im Raum. Gebannt hören sie zu. Leonie und Magdalena vergessen sogar zu malen. Die Geschichte endet mit dem weinenden Petrus, als er den Hahn krähen hört. „Und wie geht es mit Jesus weiter?“ fragt einer. „Der ist doch im Haus von diesem Kaffas.“ „Kaiphas“, sage ich. „Ich erzähle dir die Geschichte nächste Woche weiter.“ – „Nein, jetzt!“ Und plötzlich skandieren alle: „Weitererzählen, weitererzählen.“ Ich stehe da und lächele. Und merke wieder einmal, welche Kraft diese biblischen Geschichten haben.

Nächste Woche geht es dann um Kreuz und Auferstehung. Man soll nie beim Tod stehen bleiben. Am Ende steht immer das Leben.

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Ein Kommentar zu „Schule

  1. das ist ´ne gute Idee. Ich erkenne vieles , d.h. alles–nur dass mein Mann keine Bürovertretungen machen musste—die waren fast rund um die Uhr da….LG.

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